100 Tage The Moderator Community!

Vor ca. einem Jahr hörte ich zum ersten Mal von The Moderator Community — damals noch unter dem Siegel der Verschwiegenheit. Seit dem 11.02. diesen Jahres ist sie nun online.

Maria, Daniela und all die anderen von Linqia haben einen super Job gemacht und eine Website auf die Beine gestellt, die jeder Onlinecommunity-Mensch kennen sollte.

PS: Wer sich das Video auf der Startseite ansieht, kann zwischendrin auch meinen Namen hören. Vielen Dank an Maria und Daniela für die vielen interessanten Gespräche!

Always-On-Demokratie

Der Erfolg der kleinen aber schlagkräftigen #zensursula-Bewegung auf Twitter und anderen Plattformen zeigt, dass …

Ja, was eigentlich?

Auf der einen Seite stehen 50.000+ Mitzeichner der Petition gegen die sogenannte Internetsperre von Frau von der Leyen #zensursula.

In einem Interview mit Sascha Lobo antwortet die (Mit-)Initiatorin der Peition Franziska Heinrich auf die Frage nach dem Zusammenhang von ePetitionen und der aktiven Webcommunity:

Ich denke, sie kann ein wichtiges Werkzeug für uns sein, die etablierten Strukturen zu erreichen und unserer Stimme ein Gewicht zu geben. Auch darum ist es wichtig, damit durchzukommen. Gerade mit diesem Thema! Weil wir viele sind! Und weil wir immer mehr werden!

John Palfrey von der Harward Law School veröffentlichte in der Mai/Juni-Ausgabe der Technology Review (dem Original, nicht dem deutschen Abklatsch) einen kleinen Artikel. Darin stellt er die Frage, ob das Internet wirklich gut für die Demokratie ist. Der Widerstand gegen Internetzensur einer Minderheit vorbehalten, die technisch versiert und mit Nachdruck gegen staatliche Kontrolle ankämpft. Ihnen gegenüber stehen Regierungen und Machthaber mit Macht, Geld und Zugang zu Kontroll- und Überwachungsmechanismen. Sie forschen ihre Bürger aus, lesen ihre Unterhaltungen und Diskussionen mit und kontrollieren den Informationsfluss zu den Bürgern.

Von Waffenlobbyisten hört man hin und wieder den Satz “Nicht die Waffe ist böse, sondern der Mensch, der sie benutzt.” Bei Palfrey heißt das: “Digital technologies do not have a nature. They are what we make them.”

Was zeigt denn nun der Erfolg der #zensursula-Petition? Das aktive Internetnutzer bei Themen aktiv werden, die mit dem Internet zu tun haben. Ich glaube nicht, dass wir (wir in Deutschland) in den nächsten Jahren eine bessere, offenere oder transparentere Politk bekommen werden — schon gleich gar nicht, weil wir (die aktiven Internetnutzer) sie per Webkommunuikation dazu machen.

Es geht nicht darum, dass wir zu wenige sind: über 80% der deutschen Internetter sind lurcher. Ich glaube vielmehr, dass die Netzgemeinde im Fall #zensursula mitgezeichnet hat, weil es “in” ist. Politisch fundiert ist die Mitzeichnung der meisten jedenfalls nicht, wie man unschwer im ePetition-Forum und Blogs lesen konnte.

Drei Spekulationen zum Markt der Zukunft

Spekulation #1: In fünf Jahren wird es keine speziellen mobilen Dienstleistungen mehr geben.

Seit gut und gerne drei Jahren ärge ich mich jedes Mal schwarz, wenn ich per Handy eine Website nicht nutzen kann, weil sie mich automatisch zu ihrem “mobilen” Cousin weiterreicht. Umgekehrt wird man bei anderen Angeboten darüber aufgeklärt, diese URL doch bitte im Handy-Browser zu öffnen.

Sehr nett ist es auch, eine Handy-Software ausschließlich per WAP laden zu können, wozu man dem Anbieter doch bitte seine Handynummer überlassen soll, damit er den Downloadlink per SMS schicken kann.

TCP/IP und HTTP werden gewinnen und technische Grenzen überwinden und verschwinden lassen.

Spekulation #2: Gewinnen werden der flexibelste Anbieter.

Mit Bevormundung und Gängelei ist noch keiner weit gekommen. Ein paar Jahre kommt man damit vielleicht durch, die Kunden machen das aber nicht lange mit. Über kurz oder lang wird ein Mitbewerber oder Neueinsteiger seine Chance erkennen und mit Alternativen aufwarten.

(Der wird auch bald anfangen, seine Kunden zu bevormunden, und das Spielchen geht von vorne los.)

Spekulation #3: Konzentrierte Angebote werden gewinnen.

Hinter den Buzzwords “Long Tail” und “Power Curve” versteckt sich eine kleine Wahrheit. Die heimlichen Helden haben im Vergleich zu den Dickfischen den Vorteil anbieten zu können, was sonst keiner anbieten kann. Da spielt der USP keine Rolle. Es gibt nur das eine Angebot, nur den einen Anbieter.

Twitter Search = Tweets + verlinkte Inhalte + Reputation

Rafe Needleman von CNET:

Twitter Search is going to get a lot more interesting soon, I learned tonight from Twitter’s new VP of Operations, Santosh Jayaram. Until recently, Jayaram was VP of Search Quality for Google.

Twitter will in der Twitter Search bald nicht nur die “eigenen” Inhalte aka Tweets haben, sondern auch die in den Tweets verlinkten Inhalte. Oben drauf soll außerdem ein Reputationssystem kommen. Je höher die Reputation des Verlinkenden, desto höher der Score des verlinkten Inhalts.

Einer der Kommentatoren bei CNET dazu:

Where is Twitter getting the money to fund these projects?

via @jowang

Die 5 goldenen Brainstorming-Regeln

  1. Das Ziel: allen Teilnehmern muss klar sein, worum es in der Sitzung geht.
  2. Die Zeit: nach maximal 30 Minuten ist Schluss.
  3. Die Ideen: nichts ist nicht machbar, jede Idee ist eine gute Idee.
  4. Die Notizen: jede Idee wird aufgeschrieben.
  5. Das Ergebnis: alle Notizen werden ausgewertet, ähnliche Ideen werden zusammengefasst.

Eigentlich ganz einfach, oder?

Starke Menschen

Daniels Dreiteiler über die interne oder externe Erfüllung der CM-Aufgabe geht, natürlich, von der heilen Welt aus:

[…] d.h. ein Community Manager sollte (im Idealfall) letztendlich die Verantwortung für alle operativen und strategischen Fragestellungen tragen, die rund um den Aufbau und Betrieb einer Online-Community anfallen.

In aller Regel wird sich der CM irgendwo bei Presse, Werbung, Marketing, Technik und Produktmanagement aufgehängt wiederfinden und zwischen diesen fünf Stühlen sitzen. Mindestens.

Ich z. B. sitze in Community Management-Projekten regelmäßig mit Fachabteilung, Presse, Produktmanagement (mein Linienboss), Recht, Werbung und Vertrieb am Tisch.

Aus Sicht der Abteilungen ist das auch gut so. Immerhin geht es ja um ihre ureigensten Kompetenzen, wenn ein CM auf einmal direkt mit den Kunden spricht.

Um noch einmal Daniel zu zitieren:

Ein festangesteller Community-Manager ist grundsätzlich auch nicht enger an das Unternehmen gebunden oder zuverlässiger, als z. B. ein Freiberufler es wäre. Letzten Endes kommt es m. E. viel mehr auf die Person an, die letztendlich das Community Management übernimmt und wie diese innerhalb der Organisation eingebunden wird.

Meine Wahrnehmung ist da eine andere. Ein Freier ist im Zweifel schnell weg. Eine gun for hire nimmt den lukrativsten Job, egal wann. Ein Fester hat da einfach mehr Hürden zu überwinden, allein aufgrund seines mind sets.

Andererseits stimmt es natürlich, dass die Aufhängung eine nicht ganz unwichtige Rolle spielt. Beispielsweise sitzt man in einem Großprojekt als Teil-PM neben zig anderen Teil-PMs — die sind allerdings ausnahmslos Abteilungs- oder Teamleiter. In der Linie hatte man da wenig zu melden. Und auch wenn das Unternehmen eine Matrixstruktur hat … Die Linienhäuptlinge holen sich natürlich gerne “Experten” für die schmutzige Arbeit — entscheiden wollen sie aber alleine.

Was rede ich. Die schiere Zahl der Managementfachbücher zeigt, worauf Daniel hinaus will. Ich würde gerne eine kleine Änderung vornehmen:

Letzten Endes kommt es auf die Personen an.

Und da wären wir bei der Communityguru-Tagline: Menschen wollen stark sein.

Meine Identität im Web …

… möchte ich bitte selbst bestimmen, liebes Twitter.

Was nutzen uns Mikroformate, OAuth, openID und Co. wenn wir nicht selbst entscheiden können, wann und wo wir es nutzen wollen?

SEO-technisch mag da ja ne tolle Sache für Twitter sein. Wird jetzt wohl auch nicht mehr allzu lange dauern, bis diverese andere Dienste mit persönlichen Profilen nachziehen.