CTOs Ratschläge #7: Nimm’ es nicht hin

Wir sind Meister darin, Dinge auf die lange Bank zu schieben. Man findet immer eine Ausrede, meist eine Entschuldigung, sogar eine Erklärung. (Mitbekommen, was gerade passiert ist?)

Wo du es in der Hand hast, geh voran, such’ das Gespräch, sei der Türöffner. Im stillen Kämmerlein, vor sich hin brodelnd und mit bösem Blick auf “die anderen” wirst du nichts ändern, nichts verbessern.

CTOs Ratschläge an den Junior 6

„Fehler sollten nie auftreten.“. „Man muss sich immer bemühen, nichts falsch zu machen.“. „Fehler sollten vermieden werden.“

Grütze. Fehler passieren, ständig und jedem. Sie fallen vielleicht nicht immer auf, oder es spielt keine Rolle. Und man kann sie immer nur zukünftig vermeiden.

„Aus Fehlern wird man klug.“.

Schon eher. Ein Fehler ist eine Chance. Sie nutzen zu können wird durch zwei Ereignisse bedingt: Dem Erkennen des Fehlers und der Feedback-Schleife.

Erkennen kannst du einen Fehler nicht immer selbst. Du bist völlig zufrieden und plötzlich sagt jemand, hey, das ist doch Quark. Was hast du denn da gemacht? Nanu, wieso ist mir das denn nicht aufgefallen?

Wenn ein Dritter den Fehler erkennt und dir das sagt, kann er das auf zwei Weisen tun. Kooperativ, also im Sinne einer Problemlösung, oder konfrontativ, anklagend, also nicht im Sinne einer Problemlösung. Heißt auch: Nur wer sich kooperativ verhält, ist Teil der Lösung. Wer dagegen mit dem Finger zeigt ist Teil des Problems, noch schlimmer, macht sich selbst dazu. Vollpfosten.

Vor ein paar Wochen hatte ich eine spannende Unterhaltung mit einem Piloten der Lufthansa. Der hat eine interessante Doppelrolle: Er fliegt und leitet IT-Projekte am Boden. Der größte Unterschied dabei aus seiner Sicht ist der Umgang mit Fehlern bzw. mit Fehlverhalten. Fliegen ist saugefährlich. Nicht ganz O-Ton, aber sinngemäß: Mit 900 km/h und 50 Tonnen Kerosin in 8 km Höhe durch Seitenwind ballern ist, sagen wir mal, ganz schön krass. Der Beruf des Piloten ist daher auch nicht der Transport von Menschen und Waren von A nach B, sondern diesen Transport in relativer Sicherheit stattfinden zu lassen. Diese Sicherheit wiederum wird erzeugt durch ständiges Wiederholen der immer gleichen Vorgänge auf die immer gleiche Weise. Und, und das ist der Clou, durch Fehler. Nicht nur herrscht im Cockpit quasi immer eine Vier-Augen-Situtation, sondern es ist völlig normal, wird erwartet, eingefordert und honoriert, Fehler festzustellen, zu korrigieren und letztlich daraus zu lernen. Dieser offen Umgang mit Fehlern hört am Boden nicht auf. Es findet ein ständiger Austausch statt, über Ranggrenzen und Aufgabengebiete hinweg, so dass letztlich alle Piloten (und damit alle Flüge und alle Transporte und alle Menschen, die geflogen werden) von jedem Fehler profitieren.

Ja, natürlich gibt es auch im Cockpit Vollpfosten, die hämisch sind, herablassend, ignorant oder schlicht opportunistisch. Die werden, im Übrigen nicht nur unter Piloten, sondern immer, schnell identifiziert. Man erkennt unkooperative Menschen an ihrem Umfeld: Je mehr Menschen entweder einen Bogen um einen anderen machen, andere darauf hinweisen oder vorsichtiger, ausführlicher und überdeutlich in ihrer Kommunikation demjenigen gegenüber werden, desto mehr Vorsicht vor diesen Personen ist geboten.

Zurück zu Fehlern. Genau wie ein Risiko ist auch nicht jeder Fehler es wert, genauer betrachtet zu werden. Je größer deine Expertise bzw. die Expertise derjenigen, die die Fehler machen oder melden, desto besser werdet ihr beim Erkennen und Vermeiden dieser Fehler werden.

Und jetzt der Rat: Sei lösungsorientiert. Der Fehler ist passiert. Jetzt muss das Problem gelöst werden. Und erst, wenn das erledigt ist, wird über zukünftige Vermeidung nachgedacht.

PS. Danke Eike, das war echt spannend!

CTOs Ratschläge an den Junior 4

Vor ein paar Tagen fand ein informelles Meeting Berliner CTOs statt. Im Fokus stand die Betrachtung Berlins als Standort für Software-Unternehmen. Möglichst bald wollen wir Ideen konkretisieren und umzusetzen, die Berlin zu einer noch besseren Adresse für Software-Unternehmen machen. (Interessiert? Hier entlang.)

Beim Thema Teamaufbau sprachen wir auch über weibliche Entwickler. Tenor: Sehr gute, gründliche Denker & Softwareentwickler, manchmal zu wenig Ego, fast immer down to earth, selten Star-Allüren und oft großes Potenzial, einem Team den Schubs in die richtige Richtung zu geben. (Shoutout zu K, N und G!) Im übrigen stellten wir fest, dass es in Berlin leichter fällt, gute Entwicklerinnen zu bekommen als irgendwo sonst in D. Es ist immer noch nicht einfach, aber eben einfacher. Yay für Berlin!

Um Männlein und Weiblein gehts hier aber nicht. Sondern.

Bau’ dein Team so divers wie möglich. Bring’ in erster Linie unterschiedliche Menschen zusammen, nicht Skills, Hobbys, Musikgeschmack oder Fußballvereine. Mit “more of the same” entwickelst du dich nicht. Neue Einflüße öffnen Köpfe, bringen Gedanken in Bewegung und ermöglichen neue Perspektiven und Problemlösungen. Ihr werdet besser, je unterschiedlicher ihr seid. Gleichheit führt zu Inflexibilität.

Pro-Tipp: Stelle Leute ein, die schlauer sind als du.

PS. Wer aus diesem Text irgendwas liest, was da nicht steht: Lies’ lieber das.

CTOs Ratschläge an den Junior 3

Risiken zu bewerten und Wege zu finden, das ist eigentliche Kunst.

Risiken zu sehen, sie zu bewerten und Handlungsoptionen zu bilden, kann dir den Arsch retten. Es darf nur kein Selbstzweck werden. Niemand klopft dir auf die Schulter, weil du jedes denkbare Risiko erfasst und in einem Contingency Plan berücksichtigt hast. Im Gegenteil, das bremst dich nur aus. Es geht nicht um jedes denkbare Risio, sondern nur um die zwei oder drei, deren Eintreten tatsächlich ernsthafte Folgen haben.

Zu wissen, welche Abkürzungen man gehen kann und durch welche Gegend sie dich führen, ist essentiell. Fehlt dir ein Teil der Karte, solltest du langsam vorgehen. Zu schnell, und du kommst vom Weg ab: Hic sunt dracones.

Langsam zu sein und sich gründlich umzusehen ist völlig in Ordnung.

Über kurz oder lang solltest du den Fog of War aber loswerden. Das nennt man dann Expertise. Und je mehr Expertise du hast, desto besser wird deine Risikoeinschätzung.