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“Kein Geschäftsmodell für Buchverlage im Internet!”

Bei der Umfrage der Frankfurter Buchmesse und buchreport antworteten 2 % (n=840) auf die Frage nach Geschäftsmodellen im Internet, dass es keine gäbe.

Weitere interessante Ergebnisse in aller Kürze. Kursiv gesetzt meine Anmerkungen dazu.

Nachholbedarf
38 % der Befragten sehen in den Bereichen Geschäftsmodelle, Produkte und Vermarktungsstrategien den größten Nachholbedarf in ihrem Unternehmen.
Schade, dass Unternehmen sich dessen immer erst bewusst werden, wenn die Umsätze stagnieren oder fallen.

E-Marketing
27 %  nennen digitale Leseproben als wichtigste neue Maßnahmen im Marketing, gefolgt von viralem Marketing unter Einsatz von Social Media (22 %) und von multimedialen Werbeformen (19 %).
An ersterem sollte 2009 nichts mehr “neu” sein, für zweiteres ist kaum eine Gruppe geschweige denn ein Einzelverlag aufgestellt und mit “multimediale Werbeformen” sind (hoffentlich) Buchteaser und nicht Flashbanner gemeint. Immerhin gibts Buchteaser jetzt auch schon für Sachtitel wie hier bei Wiley VCH.

Herausforderungen
50 % sehen die größte Herausforderung in der Ungewissheit über veränderte Lesegewohnheiten, gefolgt vom Preiswettbewerb gegen kostenlose Angebote (42 %) und Piraterie (38 %).
Ist die Ungewissheit wirklich so groß? Klar wirds das gedruckte Buch noch eine Weile geben. Ist es aber deswegen falsch, heute Kompetenz für morgen aufzubauen?

DRM
Es ist nur folgerichtig, dass DRM für 58 % der Befragten auch in fünf Jahren noch ein Thema sein wird.
Für Euch vielleicht, aber nicht für die Kunden.

Adieu Verlage und Agenten
Nur für 17 % ist der Direktvertrieb von Autoren über das Internet eine Herausforderung.
Bin gespannt, wieviel Prozent das in zwei Jahren sein werden. Glaskugelmodus: 25% und Trendthema für Sach- und Fachbuch, 20% für Belletristik abseits der Bestseller. eBooks wohlgemerkt.

Ab 2018 mehr Umsatz mit digitalen Inhalten
So sehen es heute 50 % der befragten Fachleute.
Sehe ich auch so — vielleicht sogar schon 2012 oder 2013. Denn in diesen Jahren machen die Jahrgänge ab 1993 Abitur, und die sind definitiv mit dem Internet aufgewachsen ohne Chance, es zu ignorieren.

Geschäftsmodelle
Laut buchreport ist das Votum eindeutig. Durchsetzen werden sich in dieser Reihenfolge und Gewichtung

  1. Flatrate-Angebote, also Abonnements,
  2. Micropayment, die Bezahlung einzelner Inhalte zu kleinen Preisen, und
  3. Premium-Angebote, also der Versuch, kostenlose Inhalte mit bezahlten Extras zu Abos zu machen.

Werbefinanzierung und Freemium-Angebote (die werbefinanziert sind, so es keine “besseren” Premium-Angebote gibt, auf die man upgraden kann) spielen kaum eine Rolle. Natürlich spielen auch Kombinationen und Variationen der genannten Modelle eine wichtige Rolle. Und: 2 % sehen im Internet kein Geschäftsmodell für Buchverlage.
Finanzierung allein durch Werbung ist schwer. Zwar wird es leichter, je kleiner die Nische ist, schwer ist es trotzdem. Machbar aber auch. Micropayment ist mein Lieblingsmodell für bezahlte Inhalte: Wenn ich denn wirklich exklusive und wertige Inhalte bekommen. Für alles andere (Iterationen, Variationen ohne Mehrwert, …) wird sich kaum ein Käufer finden. Flatrates können m. E. nur für dauerhaft aktualisierte Angebote funktionieren sowie für Periodika. Goldmann wird kaum Abonennten für Neuerscheinungen gewinnen können.
Freemium-Angebote mit Inhalten halte ich zwar für wichtig, aber nicht als Geschäftsmodell, sondern zur Quervermarktung. Als Geschäftsmodell funktioniert Freemium am besten für Dienstleistungen, und die bleiben uns die Buchverlage zum Großteil noch schuldig. Und auch nur dort könnte man Anreize schaffen, doch den einen oder anderen Euro für weitere Funktionen zu bezahlen.

Jetzt ist der letzte Punkt doch wieder länger geworden ;)

Mehr zum Thema Geschäftsmodelle für Verlage findet sich in diesen zwei Artikeln:

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